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Walter Gropius.
Zum Geburtstag 2021.

“Es wäre schön, wenn alle meine Freunde aus Gegenwart und Vergangenheit nach einem Weilchen zu einem Fest zusammen kommen würden, à la Bauhaus, und tränken, lachen, sich liebten. Dann werde ich bestimmt dabei sein, mehr als im Leben. Es ist fruchtbarer als die Friedhofskapelle …”

Dieses von ihm so gewünschte und von seinen Freunden und Mitarbeitern getaufte “Grop-Fest” fand tatsächlich 1970 – fast – an seinem ersten Todestag statt (“fast”, da es wegen heftiger Unruhen in den USA um einige Tage verschoben werden musste). 

Unser heutiges Geburtstagskind “Herr Bauhaus” würde nun 138 Jahre alt sein:
Walter Gropius.

Eine kleine Erinnerung von
Mann mit Hut Touren | Christian Fessel.

Die einleitenden Worte stehen tatsächlich so in seinem Testament, geschrieben 1933 – fast 40 Jahre vor seinem Tod. Geschrieben zu einer Zeit der großen Angst: 

Das “Bauhaus” und der Nationalsozialismus: das passte nicht zusammen und auch Gropius lebte in permanenter Unsicherheit, was geschehen würde. Mit ihm, mit seiner Familie. Wenig später immigrierten sie, zunächst nach London, dann in die USA.
Deutscher Werkbund, „Novembergruppe“, „Arbeitsrat für Kunst“, „Gläserne Kette“: Gropius war in nahezu allen wichtigen Gruppen und Verbänden vertreten, oft in hoher Position. 

1923/24 war er Mitgründer der Architektengruppe „Der Ring“. Aus dieser leitet sich bekanntermaßen der Zusatzname “Ringsiedlung” für die „Großsiedlung Siemensstadt“ in Berlin ab. Hier, in der Ringsiedlung, errichtete er drei Zeilenbauten: Zwei beidseitig des Jungfernheideweges und einen in der Goebelstraße – direkt an die “Siedlung Heimat” (von Hans Hertlein für Siemens gebaut) angrenzend. 

Die Gropius-Bauten trennt optisch kaum etwas, administrativ gibt es jedoch ein Kuriosum, das ich Ihnen auf einer meiner Stadtführungen gerne erläutere 😉
Viel wichtiger: Die drei Zeilen gehören komplett zum UNESCO-Weltkulturerbe “Großsiedlung Siemensstadt (Ringsiedlung)” der “Berliner Moderne”.
Auf westlicher Seite hat Gropius mit der Zeile am Jungfernheideweg die größten Wohnungen errichtet. Die fast 70qm waren nach damaligen Vorgaben für bis zu sechs Personen vorgesehen gewesen. 

Mit dem Wohnbau an der Goebelstraße verwirklichte er im Kontrast dazu die kleinsten Wohnungen und auch das einzige Laubenganghaus der Siedlung (die Seite der Laubengänge ist öffentlich leider nicht einsehbar). Genau wie der “Lange Jammer” von Otto Bartning, musste Gropius diese Zeile in Ost-West-Richtung bauen. Und, wie Bartning auch, musste er sich seinerzeit die Kritik der Monotonie, des “das käme heute durch keinen Bauausschuss” für seine lange Zeile am Jungfernheideweg, gefallen lassen (sie ist, nach der von Bartning, die zweitlängste der Siedlung). 

Seine Bauten in der “Großsiedlung Siemensstadt (Ringsiedlung)” fallen in die Zeit 1929–31. Ein Jahr vorher hat er seinen Vertrag als Leiter des Bauhauses aufgelöst und arbeitete nunmehr als freischaffender Architekt. Zu diesem Zeitpunkt vertrat er bereits öffentlich die Meinung, dass das Wohnungsproblem nur mit dem Hochhaus als Wohnhaus zu lösen sei.
Eine Meinung, die konträr zu den hier zu erstellenden Gebäuden lag. Das Baurecht ließ allerdings keinerlei Spielraum, diese Möglichkeit auch nur zur Diskussion zu stellen. An seinen Hochhausträumen hielt er fest und hat mit dem MetLife-Building in New York Geschichte geschrieben. 

In Berlin errichtete er nach dem Krieg einen Zeilenbau zur Interbau ’57 im Hansaviertel und natürlich die Gropiusstadt (über deren Korrekturen am Bauplan er sehr verärgert war) mit ihren Hochhäusern. Zum Gebäude des Bauhaus-Archivs gehört übrigens eine eigene Geschichte. Genauso wie zu seiner Beteiligung an der “Reichsforschungssiedlung in Haselhorst” (neu in meinem Tourenprogramm).

P.S.
Oft als müder Witz angesehen, aber – leider – auch heute noch wahr:
Selbst erlebt: Weimar(!). Bahnhof. Dem Taxifahrer als Ziel genannt “Zum Bauhaus, bitte”.
Wenig später halten wir – vor dem Baumarkt. April 2017. 

Als Mann mit Hut Touren habe ich die einzigen, regelmäßig stattfindenden Stadtführungen | Architekturführungen durch das UNESCO-Welterbe “Siedlungen der Berliner ModerneGroßsiedlung Siemensstadt / Ringsiedlung Siemensstadt” konzipiert.
Bei meiner Stadtführung | Architekturführung “Wohnen im Welterbe können Sie einiges mehr über Herrn Gropius und fünf weitere, große Architekten erfahren.
Zum Welterbetag am 6. Juni 2021 nehmen Sie mit etwas Glück sogar umsonst teil: Zur Sonderseite.

Beachten Sie bitte auch das neue Buch über die Welterbestätten in Deutschland. Eine Beschreibung finden Sie in diesem Blogbeitrag von mir.


Text und Gebäudefotos: © Christian Fessel, all rights reserved.
Foto von Walter Gropius: Hugo Erfurth, 1928. Public domain.


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Walter Gropius

138 Jahre alt wäre unser heutiges Geburtstagskind nun: Walter Gropius. Eine kleine Erinnerung von Mann mit Hut Touren / Christian Fessel.

Stellenbezeichnung: Architekt

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